EU-Kommissar Oettinger bei Schunk

Industrie 4.0 stärkt im Wettbewerb

Wie kann die Industrie die Potenziale der Digitalisierung nutzen? Diese und weitere Fragen standen im Mittelpunkt eines Praxisgesprächs, für das EU-Kommissar Günther Oettinger zu Schunk nach Brackenheim-Hausen bei Heilbronn gekommen war. Das Familienunternehmen sieht sich im Maschinenbau als treibende Kraft, wenn es um den Trend zur „Industrie 4.0“ geht. Im Rahmen des Austauschs zeigte sich, dass gerade die zunehmende Automatisierung und Digitalisierung wichtige Beiträge zur Standortsicherung in Europa leisten können. „Vor allem der innovationsstarke Mittelstand“, so der geschäftsführende Gesellschafter Henrik A. Schunk, „wird von den digitalen Technologien profitieren.“

Willkommen in der Welt der Automation: EU-Kommissar Günther Oettinger bei Schunk. (Fotos: Schunk)

Seit seinem Amtsantritt als EU-Kommissar für digitale Wirtschaft und Gesellschaft im Jahr 2014 hat sich Günther Oettinger das unter dem Begriff „Industrie 4.0“ zusammengefasste Thema der Digitalisierung der Wirtschaft auf die Fahnen geschrieben. Den Einsatz smarter Technologien in der industriellen Produktion sieht er als einen wichtigen Schlüssel, um die Position der europäischen Industrie im weltweiten Wettbewerb zu sichern und weiter auszubauen. Auf eine jährliche Leistung von 415 Milliarden Euro schätzt die Europäische Kommission das Potenzial eines digitalen Binnenmarkts. Hunderttausende neue Arbeitsplätze können nach Ansicht der Kommission entstehen, wenn es gelingt, den Zugang zu digitalen Waren und Dienstleistungen zu vereinfachen, optimale Rahmenbedingungen für digitale Netze und Dienstleistungen zu schaffen und die Digitalisierung der Wirtschaft voranzutreiben.

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Vernetzte Produktion

Dass dies gelingen kann, sollte beim Besuch von Günther Oettinger am Kompetenzzentrum für Greifsysteme von Schunk deutlich werden. Das Unternehmen ist Weltmarktführer für Spanntechnik und Greifsysteme und zählt sich zu den Vordenkern der mechatronischen Handhabung.

Am Beispiel einer sich selbst organisierenden Montagezelle verdeutlichte Schunk dem EU-Kommissar das komplexe Zusammenspiel vernetzter Greifer und Handhabungsmodule.

Bei dem Praxisgespräch, an dem neben den beiden geschäftsführenden Gesellschaftern Heinz-Dieter und Henrik A. Schunk auch die Geschäftsführer Dr. Markus Klaiber und Markus Kleiner teilgenommen hatten, wurde deutlich, dass der Trend zur Industrie 4.0 gerade für mittelständische Unternehmen große Chancen bietet. Schunk hat hierfür neue Kompetenzen aufgebaut und seine Organisation angepasst. Im komplexen Zusammenspiel der Smart Factory konzentriert sich das Unternehmen auf die Entwicklung intelligenter, vernetzbarer Komponenten, die über Sensoren Ihre Umgebung wahrnehmen, mit der Anlagensteuerung und mit anderen Komponenten kommunizieren und in der Lage sind, individuell zu reagieren. Zugleich treibt das Unternehmen in der eigenen Produktion die Automatisierung und Prozessorganisation im Sinne der Industrie 4.0 voran. Um die Digitalisierung im Unternehmen zu verankern und zu forcieren, wurde ein Arbeitskreis „Smart Factory“ eingerichtet, der für die Strategieentwicklung, den interdisziplinären Austausch zwischen den einzelnen Bereichen sowie für die Implementierung neuer Geschäftsmodelle verantwortlich ist.

Intelligentes Zusammenspiel sämtlicher Komponenten

Henrik A. Schunk (rechts) und Heinz-Dieter Schunk (Mitte) gaben Günther Oettinger Einblicke in die Umsetzung des Trends zur Industrie 4.0.

Wozu eine Smart Factory in der Lage ist, konnte Günther Oettinger live an einer Industrie-4.0-Montagezelle erleben, die Schunk in Zusammenarbeit mit mehreren Systemintegratoren realisiert hat. In ihr kooperieren Pick & Place-Einheiten, 3-Achs-Raumportale, Roboter und mobile Plattformen autonom beim Montieren, Prüfen, Verpacken und Transportieren. Jeder einzelne Prozessschritt wird detailliert von Sensoren überwacht und mithilfe der übergeordneten SAP-Leittechnik an die Anlagensteuerung und in die Schaltzentrale des Unternehmens gemeldet. bw

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