Schaltschränke

Von der Blechkiste zum System

Wer heute elektronische Komponenten in Schaltschränke einbaut, erwartet eine Vielzahl von genormten Lösungen, die ihm die Montage erleichtern sowie ein Maximum an Sicherheit bieten. Das war nicht immer so. Noch vor einigen Jahrzehnten gab es nur einfache „Blechkästen“, die in Sonderanfertigung hergestellt wurden. Der erste Standard für die Serienfertigung wurde 1961 von Rudolf Loh – dem Gründer von Rittal – erfunden und auf den Weg gebracht.

Schaltschranksysteme wie das TS 8 von Rittal zählen heute zu den Standards in der Automobilindustrie. (Fotos: Rittal)

Die Rudolf Loh KG, Elektrogerätebau – später Rittal – wurde am 1. April 1961 von Rudolf Loh gegründet. Neben dem damals schon bestehenden Unternehmen Hailo-Werk, das mit Haushaltsgeräten im Konsumgütermarkt etabliert war, sollte ein zweites Standbein in der Investitionsgüterindustrie geschaffen werden. Dabei rückte die Fertigung von Schaltschränken in den Blick. Bis dahin hatte die elektrotechnische Industrie diese selbst gefertigt oder in externen „Blechwerkstätten“ herstellen lassen. Diese Einzelanfertigungen waren teuer, ihre Lieferzeiten lang, und die Qualität schwankte. Die Idee des Vertreters eines nahegelegenen Elektrogroßhandels, Schaltschränke in Großserie zu bauen und als Standardprodukt anzubieten, schien Rudolf Loh deshalb aussichtsreich. Der erste konkrete Bedarfsfall ließ auch nicht lange auf sich warten. Noch am gleichen Tag gab Loh die Serienfertigung von je zwei flachen Wand- und Standgehäusen frei: Dies war die Geburtsstunde des Schaltschranks als Serienprodukt. Weiterentwicklungen dieses „allerersten“ Typen, die Rittal in Großserie produzierte, hat das Unternehmen übrigens noch heute unter der Bezeichnung AE im Programm.

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Ideen in Innovationen umsetzen

Im Jahr 1969 vollzog Rittal wichtige Schritte auf dem Weg zum Weltunternehmen. Zum einen ist es das Jahr der Umfirmierung in die Rittal-Werke Rudolf Loh KG. Zum anderen das einer weiteren signifikanten Erfindung: der des Reihenschaltschranks. Der erste modulare RS-Schaltschrank in Gerüstbauweise wurde vormontiert ausgeliefert. Als Zubehör gab es Verbindungsrahmen, Lochschienen, Trenn- und Seitenwände sowie gelochte Winkelprofile. Für den Anlagenbauer ergab dies enorme Vorteile beim individuellen Ausbau.

Infolge der Industrieautomatisierung ergänzte Rittal in den folgenden Jahren sein Produktportfolio. Die Geschäftsbereiche Klima- und Stromverteilung kamen hinzu. Anfang der achtziger Jahre wurde eine eigene Geschäftseinheit für Kompressorkühlgeräte aufgebaut. Die Entwicklung der ersten Stromverteilungs-Komponenten – kompatibel zu den jeweiligen Schaltschränken – folgte bald. Ein großer Meilenstein in der Schaltschranktechnik war die Erfindung des PS 4000 Anreihsystems im Jahr 1985. Bis heute millionenfach verkauft, wurde er zum Weltstandard. Konnte der RS schon mit Zubehör glänzen, so übertraf ihn der PS 4000 mit gut 60 Komponenten um ein Vielfaches. In den neunziger Jahren wurde das marktführende System PS 4000 kontinuierlich weiter ausgebaut. 1999 löste das Rittal TS 8 Schaltschranksystem den PS 4000 aus der Pole Position ab und setzte erneut Maßstäbe. Der Slogan zur Markteinführung lautete: „Endlich unendliche Möglichkeiten“. Der Kern des Topschranks TS 8 ist das 16-fach profilierte, patentierte Vertikalprofil, das nicht nur eine hohe Stabilität, sondern zusätzlich eine zweite Montageebene bietet. Außerdem ist er symmetrisch in Bezug auf das Maßraster, was ein Anreihen in alle Richtungen und damit noch mehr Flexibilität ermöglicht. Es gibt heute kaum eine Anforderung der Gehäusetechnik, die mit dem TS 8 Schaltschrank nicht erfüllt werden könnte. Zu diesem Bestseller, der mittlerweile weltweiter Standard und mehr als 7,7 Millionen Mal im Einsatz ist, gehört ein bis ins Detail durchdachter System- und Zubehörbaukasten. Die Schaltschrank- und IT-Rack-Systemplattform TS 8 ist heute Basis für die branchenübergreifende Systemarchitektur „Rittal – Das System.“. Diese besteht aus auf einander abgestimmten Gehäusen und Schaltschränken, sicheren Stromverteilungen, energieeffizienter Klimatisierungstechnik, kompletten IT-Infrastrukturen sowie intelligenten Planungstools und einem weltweiten Service.

Engineering Tools für schnelle Prozesse

Bei Rittal beinhaltet der Systemgedanke auch das Engineering und den Service. Die Kunden suchen Partner, die sie von der Planung über Engineering und Testaufbau bis hin zur Auslieferung und einem auf der ganzen Welt gesicherten After-Sales-Service wirkungsvoll begleiten. So ergeben sich beispielsweise durch die Nutzung von CAD-Daten der Bauteilebibliothek "RiCAD 3D" hohe Einsparungspotenziale beim Planungsprozess von Maschinen und Anlagen. Andere Software-Lösungen wie "Rittal Power Engineering" unterstützen den schnellen und sicheren Aufbau von Stromverteilungen. Und das Planungstool "Rittal Therm" sorgt für die energieeffiziente Dimensionierung der Kühlgerätetechnik. Um die Produktivität und Geschwindigkeit im Engineering von Schaltschränken noch weiter zu steigern, lassen sich diese Tools mit der Eplan-Plattform verknüpfen - einer Engineering-Lösung des Schwesterunternehmens Eplan Software & Service, das zu den weltweit führenden Anbietern von Engineering-Software zählt.

Hans-Robert Koch/bw

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