Elektrohängebahn

Sichere Fertigung unter schwebender Last

Retrofit eines Kabinenfördersystems. Für die Fertigung seiner Traktoren nahm John Deere im Werk Mannheim ein neues Kabinenfördersystem in Betrieb. Gemeinsam mit SEW-Eurodrive gelang ein zukunftsweisendes Konzept. Für die Montage unter schwebender Last wurde das innovative Maxolution-Programm der Antriebs-, Steuerungs-, Energie-, Kommunikations- und Sicherheitstechnik eingesetzt.

Kernstück der Maxolution-Schwerlast-EHB-Lösung sind der intelligente Antriebsumrichter Movipro und die Sicherheitssteuerung Movisafe des Typs PFF-HM31. (Bild: SEW-Eurodrive)

Im John-Deere-Werk Mannheim wurde ein neues Kabinenfördersystem für die Traktorenmontage installiert. Es transportiert die Kabinen sicher vom Aufgabepunkt zu den Montageorten, ermöglicht dabei das gefahrlose Arbeiten unter der schwebenden Kabine und setzt sie anschließend zuverlässig ab. Nach 40 Jahren im Einsatz musste die alte Anlage Platz für eine neue machen. „Ein maßgeblicher Grund für die komplette Erneuerung der Elektronik waren die heutigen Erfordernisse der Sicherheitstechnik“, erläutert Hans Ziegler, Projektleiter in der Arbeitsvorbereitung bei John Deere. „Wir betreiben bereits einige Anlagen mit Antriebstechnik von SEW-Eurodrive. Unsere Instandhaltung ist mit der Technik aus Bruchsal sehr zufrieden. Im Falle eines Falles klappt die Ersatzteillieferung. Der Service und die Zusammenarbeit funktionieren sehr gut.“ Zudem betreibt SEW-Eurodrive ein engmaschiges Netz von Drive Centern und Technischen Büros – immer in der Nähe der Kunden.

Die Fahrerkabinen werden im John-Deere-Werk Bruchsal hergestellt und von dort nach Mannheim geliefert. Zunächst hebt sie das Kabinenfördersystem auf die Transportebene an. Hier befördert die Elektrohängebahn (EHB) aus dem Maxolution-Systemlösungsprogramm von SEW-Eurodrive die Kabinen zu einer Weiche, die sie abwechselnd auf zwei parallele Linien weiterleitet, wodurch zeitgleich zwei Kabinen gefügt werden können. Von der Transportebene wird die Kabine zunächst automatisch auf eine Vorhöhe abgesenkt, bei der niemand zu Schaden kommen kann.

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Jetzt übernimmt der Werker mit einem Handbediengerät das Kommando. Er fährt die Kabine in die Fügeposition und senkt sie dabei weiter ab. Auf der Fügeebene stehen die Triebsätze mit Motor, Achsen und Hydraulik bereit, auf die die Fahrerkabinen montiert werden. Die Werker müssen in und unter die schwebende Kabine greifen, um Elektrokabel, Hydraulikschläuche und Schraubverbindungen anzubringen. Für alle Projektbeteiligten hatte es oberste Priorität, dass die Sicherheit der Werker beim Arbeiten unter der schwebenden Kabine gewährleistet ist.

Der Fügevorgang und die Arbeiten unter der schwebenden Last werden durch den neuen Kabinenförderer abgesichert. Die performante Sicherheitssteuerung Movisafe ermöglicht es, die Kabine per Fernbedienung auf dem Antriebsstrang abzusetzen. (Bild: SEW-Eurodrive)

Die Antriebstechnik und die Komponenten des Sicherheitssystems einschließlich der wichtigsten Sensorik lieferte SEW-Eurodrive, individuell repräsentiert durch die Maxolution-Systemlösung EHB. Feldnahe Antriebslösungen, die wenig Platz benötigen und rüttelfest sind, versorgen die Getriebemotoren. Die beiden Hubantriebe mit jeweils 5,5 Kilowatt werden als Gruppenantrieb durch ein Movipro-PHC mit 11 Kilowatt Nennleistung angetrieben. Ein Controller Movifit-MC versorgt den Fahrmotor mit 0,55 Kilowatt Nennleistung.

Förderanlagen mit einer derartigen dezentralen Antriebstechnik sind vergleichbaren, zentral gesteuerten Anlagen überlegen. Dank der modularen und parametrierbaren Softwarelösung Movivision gestaltet sich das Engineering solcher Anlagen sehr einfach, auch durch eine simulierte, virtuelle Inbetriebnahme vor dem eigentlichen Umbau der Anlage. Aus diesem Grund lassen sich die realen Inbetriebnahmezeiten beim Kunden deutlich reduzieren. Diese wichtige Eigenschaft der Maxolution-Systemlösung war auch beim Umbau der John-Deere-Anlage ein ganz wesentlicher Aspekt.

Eine große Herausforderung bei der Umsetzung dieses Projektes war der enge Bauraum, in dem die Kabinen gefördert werden. (Bild: SEW-Eurodrive)

Sämtliche Sicherheitsfunktionen laufen auf der Sicherheitssteuerung Movisafe des Typs PFF-HM31 von SEW-Eurodrive. Dazu gehören die sichere Position der Fahrzeuge, sichere Hubposition und sichere Hubgeschwindigkeit. Sie steuert die Sicherheitsfunktionen SBC (Safe Break Control) und sorgt für den korrekten Abstand der Fahrzeuge. Dabei ist kein mechanischer Abstandsgeber mehr erforderlich. Die performante Movisafe-Sicherheitssteuerung ermöglicht nun den Werkern unter Einhaltung aller technischen Sicherheitsaspekte (sichere Kommunikation und positionsabhängige, sichere Geschwindigkeit / SLS u. SLP nach PL“d“) die Kabine per Fernbedienung auf dem Antriebsstrang abzusetzen.

„Der Kabinenförderer lässt keinerlei Wünsche hinsichtlich Arbeitssicherheit, Steuerungstechnik, Instandhaltung und Zukunftsorientierung offen und übertrifft sogar noch die vorab definierten Anforderungen“, erläutert Projektleiter Ziegler.

Und SEW-Projektleiter Bernhard Pehlegrim ergänzt: „Neben den technischen Kenngrößen darf man nicht vergessen, dass vor allem die gute Zusammenarbeit zwischen allen beteiligten Seiten entscheidend für das Gelingen des Projekts war.“

Gunthart Mau/as

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