Lenze und Maschinenbau profitieren von Partnerschaft

Der Platzhirsch aus Aerzen

Maschinenbauer stehen vor der Aufgabe, Lösungen immer schneller, variantenreicher, flexibler und intelligenter anzubieten. Dafür braucht es Partner. So sieht es zumindest der Chef der Lenze Automation, Dr. Thomas Cord, und stellt den Unternehmensbereich Automation Systems entsprechend auf. Ein Gespräch mit handling-Redakteur Bernd Waßmann.

Dr. Thomas Cord, Geschäftsführer bei Lenze Automation, blickt in die Zukunft und sieht ein stärkeres operationales Zusammenwachsen von Maschinenbauern und Zulieferern wie Lenze. (Foto: Waßmann)

Maschinensteuerung, heißt es bei Lenze, sei das Herz der Maschine. Schlagen denn diese Herzen schon im Rhythmus der Zeit, genannt Industrie 4.0?
Wir erleben derzeit eine Abkehr von starren, zentral gesteuerten Fertigungssystemen hin zu autonomen, sich selbstorganisierenden Produktionseinrichtungen. Durch intelligente Maschinen, die miteinander vernetzt sind, wird die Produktion wesentlich flexibler. Entscheidend dabei ist die Maschinensteuerung. Sie sammelt eine große Menge von Daten von Sensoren und Aktoren und aggregiert sie zu höherwertigen Informationen des Produktionsprozesses. Damit kennt die Steuerung alle Betriebszustände der Maschine, Fehler, Produktionsdaten - die Basis für Industrie 4.0. Deswegen ist die Maschinensteuerung ein Herzstück von Industrie 4.0.

Wie und wo sortiert sich denn Lenze selbst bei dieser Herausforderung ein?
In erster Linie geht es darum, dass Maschinen künftig miteinander kommunizieren müssen. Als Automatisierungsanbieter leisten wir dabei einen wesentlichen Beitrag. Software ist ein entscheidendes Thema: Wir haben mit den Technologiemodulen und unserem Application Template eine Softwarestruktur für die Maschinenprogrammierung entwickelt. Wir nennen das Lenze FAST. Unser Kunde soll - auch aus Gründen der Effizienz - bei der Programmierung nicht mit einem leeren Bildschirm anfangen, sondern auf entsprechende Middleware zurückgreifen können. Deswegen bereiten wir Daten wie Betriebszustände, Produktionsdaten etc. so vor, dass sie auch übertragen werden können. Das ist ein Teil unserer Steuerung und muss vom Kunden nicht immer wieder neu erfunden werden.

Anzeige

Industrie 4.0 befindet sich eigentlich noch in einer Phase der Pilotprojekte, konstatiert aber der Consulter ROI Management.
So ist es, voll und ganz. Es gibt noch keine umfassende und vollständige Definition von Industrie 4.0. In Arbeitskreisen werden zunächst Standards erarbeitet. Pilotprojekte sind ein pragmatischer Weg, denn die heute verfügbaren Technologien erlauben schon ganz beachtliche Lösungen.

Bereits die Hannover Messe vor einem Jahr stand unter dem Leitthema "Integrated Industry" bzw. Industrie 4.0. Was ist in diesem Jahr daraus geworden?
Das diesjährige Messemotto lautete "Integrated Industry - Next Steps". Wir konnten also die nächsten Schritte und konkrete Lösungsansätze in Richtung Industrie 4.0 sehen. Als Hersteller kompletter Automatisierungssysteme betrachten wir die Funktionen der Steuerungs- und der Antriebstechnik ganzheitlich und bieten ein Gesamtsystem an, das für die Anforderungen intelligenter Maschinen für eine vernetzte, Produktion nach den Paradigmen von Industrie 4.0 vorbereitet ist.

Wie und in welchem Tempo geht es weiter?
Zunächst einmal sind die Technologiezulieferer wie wir in der Pflicht, die Basistechnologie zu schaffen. Da liegt jetzt der Ball und da wird einiges kommen. Dabei wird es darum gehen, die Dinge so in den Markt zu geben, dass sie einfach zu handhaben sind. Lenze kann dem Anwender - trotz steigender Komplexität - eine einfache Lösung bieten. Es darf nicht wieder an der Komplexität scheitern, wie seinerzeit in den 1980er Jahren bei Computer Integrated Manufacturing (CIM).

Die Software übernimmt immer stärker die zentrale Rolle für den Maschinenbauer, sagen Sie selbst. Wie stellt sich das Unternehmen dieser Aufgabe?
Software ist das entscheidende Thema. Wir investieren massiv und bieten standardisierte Software für modulare Maschinen an. Damit kann sich der Kunde aus dem Baukasten Technologiemodule zusammenfügen. Wir können mit unserem Softwareportfolio Steuerungs-und Bewegungsfunktionen ganzheitlich betrachten und ein auf intelligente, sich selbst organisierende Maschinen abgestimmtes Gesamtsystem anbieten.

Wie sieht es mit den anderen Soft-Skills wie Service aus?
Da gibt es eine glasklare Antwort von den Kunden: Die entscheidenden Faktoren sind Time-to-Market und Engineeringkosten. Der Maschinenbauer, der eine Variante am schnellsten liefern kann, bekommt den Zuschlag. Das geht mit modularen Konzepten am besten.

Lenze sieht sich auf dem Weg vom Produkt- zum Lösungspartner. Wie erfüllt sich dieser Weg mit Leben?
Wir verstehen uns als Lösungspartner, weil wir die Maschinentechnologie und die Prozesse unserer Kunden verstehen. Unser Ziel ist, den Maschinenbauer entlang des gesamten Lebenszyklus einer Maschine zu unterstützen und weitgehend zu entlasten.

Heute werden regelmäßig komplexere Maschinen in kürzeren Abständen gefordert.
Genau hierin steckt die Herausforderung. Die Antwort, ich hatte es gesagt, heißt Modularisierung. Diesen Weg adressieren wir mit unserem Engineeringansatz, der auf eine hohe Standardisierung und Wiederverwendung von Software ausgelegt ist. Zudem ist unser gesamtes Leistungsangebot auf die Prozesse beim Kunden ausgerichtet.

Das alles fassen Sie unter dem Motto "Easy Engineering" zusammen. Was kann der Konstrukteur konkret erwarten?
Nur durch das optimale Zusammenspiel von mechanischer Konstruktion, der Elektrotechnik und der Software kann die Komplexität moderner Maschinen beherrscht werden. Wir unterstützen diesen mechatronischen Ansatz mit Software, unseren Engineering-Tools und mit einfach zu projektierenden Hardwareprodukten. Letztendlich liegen die großen Kostenpotenziale in der Projektierung.

Typisch für die Entwicklung der Maschinentechnologie ist wohl die Verpackung mit ihren besonderen Herausforderungen. Sicherlich ein Thema für Lenze?
Wir intensivieren unsere Aktivitäten in den Bereichen Automotive, Intralogistik, Consumer Goods mit Verpackung sowie Robotics und Handling. In diesen Sektoren haben wir uns bereits in den vergangenen Jahren mit durchdachten Lösungspaketen einen Namen gemacht. Wir können in dieser Branche ein gewichtiges Wort mitreden. Das wird auch die anstehende Interpack zeigen. Und grundsätzlich gilt: Wenn man diese vier Branchen beherrscht, die ich genannt habe, dann beherrscht man auch viele andere Branchen.

Der Maschinenbau sucht die Unterstützung bei einem Engineering-Partner für die Antriebs- und Automatisierungstechnik. Mit welchen Anforderungen kommt der auf Sie zu?
Uns liegen die kleineren mittelständischen Maschinenbauer besonders am Herzen. Deren Entwickler und Konstrukteure wünschen sich einen starken Partner, der ihnen entlang der gesamten Wertschöpfungskette zur Seite steht. Hier helfen unser Know-how und unsere langjährige Applikationserfahrung. Weil wir aber auch wissen, das Engineering den Engpass beim Maschinenbauer bildet, haben wir mit Lenze Engineering einen klassischen, eigenständigen Dienstleister etabliert, der komplette Automatisierungsprojekte auch bei Endanwendern schlüsselfertig abwickeln kann.

Lenze blickt jetzt auf 67 Jahre Unternehmensgeschichte zurück. Wo sehen Sie das Unternehmen beim nächsten großen Jubiläum in acht Jahren?
Unser Ziel ist es, die Marktposition als einer der führenden Anbieter in der Antriebstechnik weltweit auszubauen. Nach einem renommierten Marktforschungsinstitut sind wir heute zu den Platzhirschen im Bereich der Servo-Antriebstechnik zu zählen. Wir gehören zu den drei marktführenden Anbietern. Nach den massiven Investitionen in die Steuerungstechnik wollen wir natürlich auch in der Controller-basierten Automation unseren Marktanteil weiter ausbauen. Last but not least verfügen wir in der mechatronischen Integration von Motor; Elektronik und Getriebe über eine ausgezeichnete Ausgangsposition. Auch mit diesen intelligenten mechatronischen Lösungen streben wir eine Spitzenposition an.  bw

Anzeige

Das könnte Sie auch interessieren

Anzeige
Anzeige
Anzeige

Highlight der Woche

Trays oder KLTs direkt vom Bodenroller palettieren

Das Palettiersystem der SAST-Serie von Hirata ist besonders kompakt und benötigt nur eine geringe Standfläche. Es palettiert und depalettiert Trays oder KLTs direkt von handelsüblichen Bodenrollern.

Zum Highlight der Woche...
Anzeige
Anzeige

Highlight der Woche

Läger optimal planen
Die Planung staplerbedienter Palettenläger stellt eine große Herausforderung dar, gilt es doch, den Zielkonflikt aus Lagergröße bzw. Stellplatzanzahl, Umschlagleistung und Investitionsaufwand bestmöglich aufzulösen. Das Kompetenzzentrum Fabrikplanung der Hinterschwepfinger Gruppe unterstützt mittelständische Unternehmen bei der idealen Auslegung von staplerbedienten Lägern und Logistikzentren.

Zum Highlight der Woche...

Industriemotoren

Große Motoren

Menzel Elektromotoren präsentiert ein großes Motorensortiment. Das Unternehmen hat Industriemotoren im Nieder-, Mittel- und Hochspannungsbereich mit Käfig- oder Schleifringläufer bis 15.000 KW und Gleichstrommotoren bis 600 KW.

mehr...

Sicherheitskupplung

Ausrückmechanik mit Metallbalg

Hochdynamische, leistungsstarke, geregelte Antriebe spielen in der fortschreitenden Automatisierung eine bedeutende Rolle. Diesen leistungsstarken Antrieben bietet die Sicherheitskupplungsbaureihe Sky-KS mit Balganbau das adäquate Sicherheitselement.

mehr...

Antriebsketten

Ausfall abgewendet

Mit Hightech-Antriebsketten von Tsubaki arbeitet der Pufferturm in einem niederländischen Stahlwerk wieder zuverlässig. Bei der Beschichtung von Stahlblech ist das Glühen ein wichtiger Prozess, um eine bessere Verarbeitbarkeit und eine reduzierte...

mehr...