Wartungsfreie Sinochron-Motoren treiben Logistik an

Zentralantrieb hat eine Alternative

Zwischen 100 Meter und teilweise mehr als zehn Kilometer lang sind die Staurollenförderanlagen, die der Logistik-Spezialist Witron in Distributionszentren für Handel und Industrie einbaut – entsprechend hoch sind die Anforderungen an die Antriebstechnik in den Anlagen.

Witron Logistik + Informatik aus dem oberpfälzischen Parkstein plant und realisiert Logistik- und Materialflussanlagen aus einer Hand. Als Generalunternehmer übernimmt das Unternehmen Logistik-Planung, Informations- und Steuerungstechnik, Mechanik-Konstruktion und -Fertigung sowie die Funktionsverantwortung. Auch sämtliche Service- und Wartungsaufgaben für ein Projekt werden von Witron übernommen. Kernmärkte sind aktuell die Regionen Europa und die USA. Immer mehr in den Fokus rücken für Witron aber auch die wachsenden Märkte in Russland und Asien. Das Unternehmen beschäftigt weltweit fast 2.000 Mitarbeiter und steigerte 2012 seinen Umsatz um 20 Prozent auf 240 Millionen Euro.

Unabhängig von Größe, Umfang oder Durchsatz eines Projektes stellen zahlreiche Kunden aus den Branchen Lebensmitteleinzelhandel, E-Commerce, Elektronik, Ersatzteilvertrieb, General Merchandise, Pharma, Textil oder Tiefkühl-Logistik hohe Anforderungen an die Förder- und Antriebstechnik. So beispielsweise der Schweizer Einzelhändler Migros, der am Standort Suhr eine Logistik-Hochleistungsanlagen betreibt. Die Prozesskette sorgt dafür, dass täglich sämtliche Produkte aus insgesamt 3.500 verschiedenen Artikeln ausgeliefert werden. Zum Einsatz kommt das von Witron entwickelte System Order Picking Machinery (OPM). An Spitzentagen kommissionieren 28 COM-Maschinen bis zu 315.000 Handelseinheiten. In der 5,5 Kilometer langen Fördertechnik arbeiten 3.000 Antriebe von ABM Greiffenberger. Gebaut werden die Rollenförderer von der Förder Anlagen Systeme (FAS), einer hundertprozentigen Witron-Tochter in Parkstein. Im Rahmen der Initiative zur permanenten Weiterentwicklung ihrer Systeme nahmen die Experten im Haus die bis dahin verwendeten Komponenten hinsichtlich Konstruktion, Produktivität und Verfügbarkeit unter die Lupe. „Eines der Ziele dabei war es, die Typenvielfalt der FAS-Förderelemente zu standardisieren“, schildert Stephan Schmid, bei Witron Teamleiter Entwicklung Steuerungstechnik. In der Vergangenheit setzte man in Parkstein Fördertechnik mit zentral angetriebenen Staurollenbahnen ein. „Aufgrund unserer langjährigen Praxis- und Betreibererfahrung waren wir aber auf der Suche nach verschleißfreien Antrieben, getriebelos, ohne Bremsen, energieeffizient und mit hoher Verfügbarkeit“, sagt Schmid.

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Es wurden Gespräche mit mehreren Anbietern geführt. „Wir haben verschiedene Lösungen in Augenschein genommen. Mit ABM haben wir im Rahmen von Technik-Workshops relativ schnell eine gemeinsame Basis gefunden“, beschreibt Stephan Schmid die Partnersuche. Nach einer ersten Musterserie Anfang 2009 folgten innerhalb weniger Monate Planung, Entwicklung und Serienumsetzung. Zuvor wurden Sinochron-Varianten Probeläufen und Dauertests bei Witron und ABM unterzogen. „Die Anforderungen getriebelos, sensorlos und bremslos standen im Raum. Wir haben dementsprechend einen maßgeschneiderten Antrieb für Witron entwickelt“, sagt Wolfgang Wegmann, Vertriebsleiter Industrieanwendungen bei ABM Greiffenberger. Mit dem Sinochron-Motor hat ABM eine energiesparende Alternative zum Zentralantrieb und zu den „Rollerdrives“ konstruiert. Die Motoren zeichnen sich durch ein gutes Rundlaufverhalten aus. Vom Asynchronmotor unterscheiden sie sich durch eine etwa doppelt so hohe kurzzeitige Überlastbarkeit. Das schafft die Voraussetzung dafür, dass der Anwender in vielen Fällen einen kleineren Motor wählen kann und damit Bauraum und Energieverbrauch reduziert. „In der Praxis spart der Betreiber einer fördertechnischen Anlage durch den Einsatz von Sinochron-Antrieben auf Komponentenebene bis zu 40 Prozent Energie im Vergleich zu konventionellen Zentralantrieben. Damit sind in größeren Fördertechnik-Anlagen in Hinblick auf die gesamte Lebensdauer deutliche Kosteneinsparungen möglich“, rechnet Wegmann vor.

ABM bietet mit diesen Motoren ein dezentrales Antriebssystem, bei dem Motor, Bremse, Getriebe und Elektronik in einer kompakten Baueinheit zusammengefasst sind. Ein intelligentes Baukastensystem soll gewährleisten, dass für jeden Anwendungsfall die optimale Antriebslösung gefunden wird. Dabei stehen auch verschiedene Bauformen von Getrieben wie Kegelrad-, Stirnrad- und Flachgetriebe zur Verfügung, die aus eigener Fertigung stammen und auf die Leistungswerte der jeweiligen Motoren abgestimmt sind. Das modulare Prinzip des Antriebsbaukastens kann auch spezielle Anforderungen des Anlagenbauers mit Serienkomponenten erfüllen. „Das wirkt sich positiv auf die Qualität aus, denn es kommen nur bewährte Module zum Einsatz“, sagt Wegmann.

Kein Ölverlust möglich

„Witron und deren Kunden erhalten von uns wartungsfreie System-Komponenten. Es kann damit garantiert keinen Ölverlust geben“, schildert Wolfgang Wegmann. Ein weiterer Vorteil des Sinochron Antriebs ist der Einsatz im Tiefkühllager. So ist beispielsweise der Sinochron-Antrieb in seiner Ausprägung für den Betrieb über den gesamten Temperaturbereich bis minus 30 Grad ausgelegt. Die anfänglich gesteckten Ziele sind nach Einschätzung von Witron erreicht worden. „Das ABM-System hat unsere Anforderungen erfüllt. Dies hat sich im langjährigen Serieneinsatz bestätigt“, schildert Stephan Schmid. Auf Grund der positiven Erfahrungen komme die ABM-Entwicklung auch zum Einsatz, wenn ältere Anlagen modernisiert werden müssen.

bw

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