Planetengetriebe

Damit die Werbewelt sich dreht

„Le Chandelier“ – der Kronleuchter – heißt das Media-Informationssystem im Flughafen Rom-Fiumincino Leonardo da Vinci.

„Le Chandelier“ – der Kronleuchter: Das Screenflite-Werbesystem am Flughafen Rom-Fiumincino Leonardo da Vinci schafft Aufmerksamkeit. © Wittenstein

Insgesamt zwölf bewegliche LED-Großbildschirme positionieren sich zu bewegten Werbeflächen in unterschiedlichen Formaten und Formationen. Verbaut sind spielarme und verdrehsteife Planetengetriebe von Wittenstein alpha.

Die spielarmen Planetengetriebe der Baureihe TP+ erfüllen wesentliche Anforderungen von Simtec Systems aus Braunschweig, dem Erfinder und Hersteller des Digital-Signage-Werbesystems. Die Verdrehsteifigkeit der Getriebe minimiert die Schwingungen auch bei hoher Bewegungsdynamik und sorgt zusammen mit dem geringen Verdrehspiel für eine optimale Synchronität und Positioniergenauigkeit der einzelnen LED-Großbildschirme. Hinzu kommt die platzsparende Bauform der Getriebe, so dass sie gut in die engen Einbauräume der rotierenden Konstruktion integrierbar war.

Simtec legte höchste Anforderungen an die Auslegung der Planetengetriebe für die Kinematik mit ihren zwölf Bildschirmen auf drei ringförmigen Rotationsebenen. Da die Anlage frei programmierbar ist und somit beliebige Bewegungsabläufe der 20 Freiheitsgrade möglich sind, hat Simtec neun verschiedene charakteristische Bewegungszyklen erstellt. Sie waren die Basis für die Dimensionierung der einzelnen Getriebe. Das Auslegungstool Cymex 5, in das die von Simtec programmierten Bewegungssimulationen eingelesen wurden, hat sich hier bewährt.

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Neue Dimension der Aufmerksamkeitswirkung
Der Einsatz digitaler Medieninhalte bei Werbe- und Informationssystemen wie elektronischen Plakaten, digitaler Werbung am Point of Sale, digitalen Türbeschilderungen oder Großbildprojektionen – kurz Digital Signage – steht in hochfrequentierten, öffentlichen Indoorbereichen vor einem neuen Zeitalter. Während statische LED- oder Plakatwerbung nur eine geringe Wahrnehmung erzielt – und damit eher geringe Umsatzeffekte bei Werbeanbietern und werbenden Kunden – ist bewegte Werbung mit elektronischen 3D-Effekten ein Eyecatcher mit höheren Ertragspotenzialen für alle Beteiligten. Screenflite ist der Simtec-Markenname des am Flughafen von Rom installierten, interaktiven Werbesystems; es garantiert eine höchstmögliche Aufmerksamkeitswirkung, denn der Mensch schaut instinktiv auf sich bewegende Objekte. Screenflite nutzt dies und macht Werbung zum Hingucker.

Neben den spielarmen Planetengetriebe TP+ sind rotative Servoaktuatoren TPMP+ von Wittenstein alpha im Einsatz. © Wittenstein

Auswahl der Getriebe mit Auslegungssoftware
Diese Konstruktion wiegt beachtliche zehn Tonnen. Für den Antrieb der Kinematik wollte Simtec Getriebe und Servoaktuatoren mit hohen Abtriebsmomenten und Maximaldrehzahlen sowie großer Übersetzungsvielfalt einsetzen, um eine hohe Positioniergenauigkeit und einen hochdynamischem Zyklusbetrieb zu erreichen. Spielarme Planetengetriebe TP+ aus dem Portfolio-Segment alpha Advanced Line sowie die rotativen Servoaktuatoren TPMP+ von Wittenstein waren die erste Wahl hierfür. Bei dieser Einbaugröße konnte kein anderes Getriebe die Anforderungen erfüllen. Die Getriebe sind aufgrund ihrer besonderen Schrägverzahnung leise; selbst bei Drehzahlen von 3.000 Umdrehungen pro Minute erreichen sie höchstens Gesprächslautstärke; die Betrachter in der Halle hören also keine Bewegungsgeräusche beim Drehen der Ringebenen oder beim Ausfahren der Scherenarme.

Insgesamt sind in der interaktiven Struktur des Screenflite mit Ringen, Scherenarmen schier unendliche Möglichkeiten kombinierter Bewegungen realisierbar. 17 TP+-Getriebe in unterschiedlicher Dimensionierung sowie drei TPMP+-Servoaktuatoren sind hier im Einsatz. Für die in dieser Installation neun charakteristischen Bewegungszyklen hatte Simtec Simulationen mit Verfahrprofilen und Kräften erstellt. Sie wurden als ASCII-Dateien in das Auslegungstool Cymex 5 eingelesen. Die Auswahl der Getriebe und Servoantriebe bei Wittenstein erfolgte daraufhin anhand der vom Programm errechneten Vorschläge, was die Auslegung vereinfacht und sicher gemacht hat.

Nach Anlieferung und Montage der einzelnen Module wurde „Le Chandelier“ – so nennt der Betreiber das Screenflite in Betrieb genommen und im Juli 2018 eingeweiht. Die drei rotierenden Ringe lassen sich dank der TP+-Getriebe beliebig mit- und gegeneinander drehen – dynamisch und hochpräzise. An jedem Ring sind vier LED-Screens montiert, die von Scherenarmen mit einer Hubstrecke von etwa 1.100 Millimeter aus- und eingefahren werden. Die Flatscreens der oberen und der unteren Ebene sind vertikal schwenkbar. Die Bewegung der Scherenarme einer Ebene ist mechanisch gekoppelt, wodurch Unwuchten in der Drehbewegung der Ringe vermieden werden. Die mechanische Auslegung der Kinematik erfolgte so, dass Schwingungen minimiert und das gegenseitige Berühren der Bildschirme ausgeschlossen werden; die Scherenarme sind exakt an einen definierten Endpunkt einfahrbar.

Wie sich die Bildschirme letztlich bewegen, bestimmt der Content Designer des Betreibers. Die flexible Bewegungsprogrammierung passt die Rotationen und Horizontalbewegungen individuell den jeweiligen Medieninhalten und gewünschten Effekten an, um maximale Aufmerksamkeit und Werbewirkung zu erzielen und so ein größeres Publikum zu erreichen, als dies stationären Werbeformen möglich ist. pb

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