handling - Fachportal für Handhabungstechnik, Fabrikautomation, Intralogistik
Home> Wirtschaft + Unternehmen> Archiv>

TU Darmstadt eröffnet ETA-Modellfabrik

TU Darmstadt eröffnet ETA-ModellfabrikEnergieeffizienz im großen Maßstab begreifen

An der TU Darmstadt ist am gestrigen Mittwoch im Beisein von Staatssekretärin Brigitte Zypries und des Hessischen Wirtschaftsministers Tarek Al-Wazir die ETA-Modellfabrik eröffnet worden. Hier wird unter Realbedingungen und im Originalmaßstab erforscht und vermittelt, wie sich durch intelligente Vernetzung aller Gebäude- und Produktionskomponenten Energie in der Industrie noch effizienter nutzen lässt – mit großem Einsparpotenzial.

Maschinen und Gebäude arbeiten zusammen

TU Darmstadt eröffnet ETA-Modellfabrik

Das jüngste und wohl größte „Forschungsgerät“ der TU Darmstadt ist ein Fabrikgebäude mit einer Grundfläche von etwa 810 Quadratmetern. Glas dominiert die Fassade, das Innere mit seinem Maschinenpark und den Büroräumen ist hell und luftig. Das Besondere: Das Gebäude der ETA-Fabrik ist nicht bloß Hülle für die Produktionsanlagen, sondern integraler Teil davon. Maschinen und Gebäude arbeiten zusammen und ermöglichen so eine besonders effiziente Energienutzung. Dass dieses Konzept funktioniert, lässt sich auf dem Campus Lichtwiese der TU Darmstadt jetzt anschaulich im Originalmaßstab verfolgen. Am Ende einer realen, im allgemeinen Maschinenbau typischen Produktionsprozesskette laufen Steuerscheiben für Hydraulikaxialkolbenpumpen vom Band.

Anzeige

Alle Teilsysteme arbeiten effizienz-optimiert

Die ETA-Fabrik umfasst die Stufen der industriellen Fertigung vom Roh- bis zum Fertigteil. Von den Maschinen bis zur Gebäudeausrüstung und Gebäudehülle ist alles darauf ausgerichtet, Energie optimal zu nutzen und den Energiebedarf zu senken. Dafür sind die einzelnen Elemente vernetzt. So dient beispielsweise die Abwärme der Werkzeugmaschinen, die eigentlich verloren wäre, in der 550 Quadratmeter großen Maschinenhalle dazu, weitere Anlagen mit Wärme zu versorgen oder die Halle zu beheizen. Die ausgeklügelten Werkstoffe in der mit Kapillarmatten durchzogenen Fassade interagieren gleichsam mit der Außenwelt, so dass möglichst energiearm geheizt oder gekühlt werden kann. Auch die Teilsysteme Maschine, technische Infrastruktur und Gebäude sind hinsichtlich der Energieeffizienz optimiert, die Gebäudekonstruktion ist nahezu vollständig recyclebar.

Erkenntnisse für Industrie und Wirtschaft

Dahinter steckt die Idee, verborgene Einsparmöglichkeiten zu erschließen. Energieeffizienz in der Industrie bietet ein bisher kaum beachtetes Potenzial, das aber bei steigenden Energiepreisen und zunehmendem Kostendruck zum entscheidenden Wettbewerbsfaktor wird. Zusätzlich 15 bis 20 Prozent lassen sich mit dem integrierenden, ganzheitlichen Ansatz der ETA-Fabrik gegenüber der Optimierung einzelner Komponenten an Energie einsparen. Die Erkenntnisse und Erfahrungen, wie man eine solche Fabrik gestaltet, wird die TU in die Wirtschaft zurückspielen.

Da es sich bei der ETA-Fabrik um eine Forschungsumgebung handelt, können hier zudem im Maßstab Eins-zu-Eins-Erkenntnisse gewonnen werden. Maschinen können jederzeit angehalten, Gebäudedetails angepasst werden, um das optimale Zusammenspiel zu finden.

Interdisziplinäres Projekt

Die ETA-Fabrik generiert Innovation an der Schnittstelle zwischen den Disziplinen und zwischen Forschung und Praxis: Beteiligt sind Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus den Bereichen Maschinenbau, Bauingenieurwesen und Architektur. Dazu kommen mehr als 30 Partnerunternehmen aus der Industrie. Die Federführung des Projektes liegt beim Institut für Produktionsmanagement, Technologie und Werkzeugmaschinen (PTW) der TU Darmstadt.

Die Bauphase der ETA-Fabrik dauerte etwa 16 Monate. Rund 15 Millionen Euro kostete das Gesamtprojekt. Davon kamen acht Millionen Euro vom Bund, 1,2 Millionen Euro vom Land Hessen und rund 2 Millionen Euro aus dem Budget der TU Darmstadt. Mit etwa 4 Millionen Euro beteiligten sich Partner aus der Industrie.

Technische Universität mit Energie

Die ETA-Fabrik fügt sich hervorragend ins Forschungsprofil der TU Darmstadt. Dem zukunftsweisenden Thema Energieforschung widmet sich ein eigener, interdisziplinär angelegter Profilbereich der Universität: Der Profilbereich „Energiesysteme der Zukunft“ vernetzt und koordiniert die Energieforschung der für dieses Querschnittsthema relevanten Fachdisziplinen vom technologischen bis hin zum gesellschaftswissenschaftlichen Bereich und ermöglicht eine fachübergreifende und ganzheitliche Sichtweise auf die komplexe Transformation unseres Energiesystems. Die beteiligten Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler forschen sowohl an den Grundlagen für die notwendigen Basistechnologien (zum Beispiel chemische Energiespeicher, CO2-Speicherung) als auch in den Bereichen Integration von Technologien (zum Beispiel intelligente Energienetze, energieeffiziente Fabrik) sowie der Betrachtung auf Ebene des Gesamtsystems „Energie“ (Systemintegration), inklusive gesellschaftlicher und wirtschaftlicher Aspekte (Akzeptanz, Finanzierbarkeit). pb

Ein Video, das Idee und Entstehung der ETA-Fabrik von der Grundsteinlegung bis zur fertigen Fabrik nachzeichnet

Weitere Beiträge zum Thema

Professor Eberhard Abele

Industrieproduktion im FokusEberhard Abele ist neuer WGP-Präsident

Professor Eberhard Abele, Leiter des Instituts für Produktionsmanagement, Technologie und Werkzeugmaschinen (PTW) an der TU Darmstadt, übernimmt ab Januar 2016 für die kommenden beiden Jahre die Präsidentschaft der Wissenschaftlichen Gesellschaft für Produktionstechnik (WGP). Damit folgt er turnusmäßig auf Professor Eckart Uhlmann vom Fraunhofer IPK an der TU Berlin.

…mehr
kompetenzzentrum TU Darmtadt

Minister Gabriel und der MittelstandTU Darmstadt wird Kompetenzzentrum Industrie 4.0

Wirtschaftsminister Sigmar Gabriel hat heute den Start von bundesweit zunächst fünf Mittelstand 4.0-Kompetenzzentren bekannt gegeben. Zudem wird in Kürze ein weiteres Kompetenzzentrum für das Handwerk folgen.

…mehr
TU Darmstadt: Zellenfertigung bei Werkzeugmaschinen ist vorteilhaft: Mehr Maschinen bringen mehr

TU Darmstadt: Zellenfertigung bei...Mehr Maschinen bringen mehr

Eine kürzlich an der Technischen Universität (TU) Darmstadt durchgeführte Untersuchung weist zeigt, dass der Einsatz mehrerer preisgünstiger CNC-Werkzeugmaschinen in Zellen gegenüber der Verwendung teurerer Spezialmaschinen in „Done-in-One“-Konfiguration wesentliche Vorteile bietet.

…mehr
Grundstein für energieeffiziente Modellfabrik: ETA-Fabrik auf dem Campus Lichtwiese

Grundstein für energieeffiziente ModellfabrikETA-Fabrik auf dem Campus Lichtwiese

Der Grundstein für die ETA-Fabrik an der TU Darmstadt ist gelegt. Damit ist ein weiterer "Meilenstein" auf dem Weg zur energieeffizienten Fabrik geschafft.

…mehr
Mico-Generatoren von Eldec

Mico-Generatoren von EldecVolle Härte, kurzer Prozess

Mithilfe der mobilen und robusten Mico-Generatoren von Eldec werden Schnittkanten im Werkzeugbau induktiv gehärtet. Die flexible Technologie verkürzt und vereinfacht den gesamten Produktionsprozess deutlich.

…mehr