MeinungDiebstahl, made in Germany

Da schau her, entfährt es einem, wenn man die aktuelle Plagiatstudie des VDMA zur Hand nimmt. Gleich am Anfang warnt der Verband vor Diebstahl in den eigenen Grenzen: Deutschland erreicht als Herkunftsland von Plagiaten mit 23 Prozent einen beschämenden und horrend hohen Wert und liegt hinter China (72 Prozent) gleich auf Platz zwei. Dabei geht es, wie die Interessenvertreter aus Frankfurt betonen, nicht um Softcopying, also Illustrationen, Manuals und dergleichen. Nein, auch deutsche Maschinenbauer gehen beim Nachbar gründlich in die Schule und klauen Hightech. Maschinen- und Anlagenbauer zahlreicher Maschinensektoren schildern Plagiate ganzer Maschinen, Komponenten und Ersatzteile. Wenn schon, denn schon.

Meinung: Diebstahl, made in Germany

Zugegeben, es war schon schlimmer. Bei der letzten Studie aus 2012 belief sich der Wert in Deutschland auf 26 Prozent. Aber so einfach lässt sich das Thema nicht abtun, denn lediglich ein Prozent der Unternehmen verzeichnet einen Rückgang der Plagiate. Die Feststellung des VDMA ist alarmierend. Es geht um einen Schaden von annähernd acht Milliarden Euro.

Anzeige

Der Verband dekliniert die Know-how-Diebe und deren Wege systematisch durch: Wettbewerber sind von 71 Prozent der Unternehmen die am häufigsten genannten Plagiateure. Dahinter folgen mit 27 Prozent "Untergrundfabriken". Kunden und Zulieferer gelten ebenso als Blaupausenabschreiber. Darüber berichten bereits 23 Prozent beziehungsweise 18 Prozent der Unternehmen. Tendenz: steigend.

Weitere Beiträge zuVDMAPlagiat

Reverse Engineering ist mit über 70 Prozent die häufigste Ursache von Plagiaten, gefolgt vom Know-how-Abfluss, weil Mitarbeiter zum Wettbewerb wechseln. Von klassischer Industriespionage sind bereits 19 Prozent der Unternehmen betroffen.

Und was holen sich die Plagiateure: Komponenten wurden am häufigsten kopiert (64 Prozent), Designplagiate haben sich seit 2010 mit 56 Prozent nahezu verdoppelt. Gut die Hälfte der Unternehmen klagt über das Abkupfern ganzer Maschinen. Und das Ganze wird dann nicht in Ramschqualität mit Einschränkungen in der Funktion vermarktet, sondern als Hightech-Equipment, das - vom Leistungsstandpunkt aus betrachtet - durchaus zur Ehre des Nutzers gereicht. Tut es aber trotzdem nicht. Der Hehler ist schlimmer als der Stehler, heißt es vulgo. Tatsächlich sollte eine Vermeidungsstrategie bei den Konstrukteuren der Originalware ebenso ansetzen wie bei den kopierenden Unternehmen. Hier muss die Unternehmensspitze zur Verantwortung stehen. Schließlich möge auch der Anwender seine Verantwortung annehmen, sowohl beim Einsatz der Originale als auch beim Unterlassen des Plagiatkaufs. Eine gewisse Sorgfaltspflicht kann man voraussetzen. Der Schutz geistigen Eigentums gehört zur Corporate Governance, denn es ist ein Grundwert der Unternehmensführung.

Herzlichst Ihr



Bernd Waßmann,

stellv. Chefredakteur

Weitere Beiträge zum Thema

Juergen Nowicki Sprecher VDMA Großanlagenbau

VDMA Großanlagen mit neuer SpitzeJürgen Nowicki führt die Arbeitsgemeinschaft

Der Vorstand der VDMA Arbeitsgemeinschaft Großanlagenbau wählte auf dem diesjährigen Unternehmertreffen in Frankfurt Jürgen Nowicki, Sprecher der Geschäftsleitung der Linde Engineering Division, zu seinem neuen Sprecher.

…mehr
VDMA automatische Montage

Deutschland im Weltmaschinenbau auf Platz dreiChina deutlich vor den USA

Nach ersten Schätzungen der VDMA-Volkswirte stieg der globale Maschinenumsatz (ohne Serviceleistungen) 2015 um nominal zehn Prozent auf ein neues Rekordniveau von 2.570 Milliarden Euro.

…mehr
Produktionswert im deutschen Maschinenbau

VDMA: Umsatz 2014 übertrifft den von 2008,...„Wir müssen mit Störungen rechnen“

„Wir bestätigen unsere Produktionsprognose für 2015 von plus zwei Prozent. Trotz aller Unsicherheiten und Belastungsfaktoren in Europa sind die Maschinenbauer positiv gestimmt nach Hannover gekommen“, erklärte der Präsident des VDMA, Dr. Reinhold Festge, in Hannover.

…mehr
VDMA Turbine

Aufträge im Maschinenbau eher mauKeine Frühlingsluft im Februar

Der Auftragseingang im Maschinen- und Anlagenbau in Deutschland lag im Februar 2015 um drei Prozent unter dem Vorjahresniveau. Das Inlandsgeschäft sank um sieben Prozent.

…mehr
Maschinenbau

Maschinenbau im Plus – besonders in NRWAm Rhein geht die Post ab

Der Auftragseingang im Maschinen- und Anlagenbau in Deutschland lag im Januar 2015 um drei Prozent über dem Vorjahresniveau. Das Inlandsgeschäft sank um ein Prozent. In NRW allerdings stiegen die Aufträge bemerkenswert stark an.

…mehr

Neue Stellenanzeigen