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Lenze-Safety Manager Michael Niehaus: „Der SafetyTalk bringt praktischen Nutzen“

Lenze-Safety-Manager Michael Niehaus„Der Safety Talk bringt praktischen Nutzen“

Am 24. Februar findet im Paderborner Nixdorf-Museums-Forum bereits zum dritten Mal der Safety Talk statt, der sich unter Federführung von Phoenix Contact und Festo sowie Lenze der Maschinensicherheit widmet. handling-Redakteur Bernd Waßmann im Gespräch mit dem Lenze Technologie-Manager Funktionale Sicherheit, Michael Niehaus.

Nixdorf MuseumsForum

handling: Der Safety Talk am 24. Februar in Paderborn widmet sich in erster Linie der Robotersicherheit. Wer ist angesprochen als Teilnehmer?

Lenze Niehaus Michael

Michael Niehaus: Der Safety Talk ist eigentlich eine Dialogplattform rund um das Thema Maschinensicherheit, die sich an alle Maschinenbauer richtet. Die Teilnehmer sollen vor allem einen praktischen Nutzen aus der Veranstaltung ziehen. Ihre konkreten Fragen – die sie im Übrigen im Vorfeld einreichen können – stehen im Mittelpunkt. Aber auch die Vorträge bieten einiges an wichtigen praxisorientierten Informationen. Besonders interessant für die Teilnehmer dürfte die Sichtweise eines Markenartikelherstellers sein. Von den Informationen und dem Austausch mit ausgewiesenen Experten profitieren natürlich auch Maschinenbauer, die Roboterkinematiken in ihre Maschinen integrieren – auch wenn Robotersicherheit kein ausgewiesenes eigenes Thema auf der Agenda ist.

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Jeder Unfall ist einer zuviel

handling: Im letzten Jahr kam es bei VW zu einem tödlichen Zwischenfall durch Unvorsichtigkeit bei der Installation eines Roboters. Wie gefährlich sind Roboter wirklich?

Michael Niehaus: Selbstverständlich ist jeder Unfall einer zu viel und natürlich liegt in Roboteranlagen ein gewisses Gefährdungspotenzial. Aber im Vergleich zu anderen Maschinen ist die Gefahr eines tödlichen Unfalls an einer Roboteranlage tatsächlich geringer.

Betrachtet man die „nüchternen“ Zahlen, sind Roboteranlagen mit die sichersten Maschinen in der Industrie. Denn bereits in den 80er Jahren, als der Siegeszug der Roboter begann, rückte das Thema Maschinensicherheit deutlich in den Fokus: Es gab die ersten Sicherheitsrelaisbausteine, die ersten Einrichtungen zur Drehzahlüberwachung und die EG-Maschinenrichtlinie lag in den ersten Entwürfen vor. Von Anfang an war das Niveau der Sicherheitstechnik sehr hoch.

Gefahr besteht bei Eingriffen

handling: Welche Gefährdungspotenziale liegen denn in der Regel vor?

Michael Niehaus: Die geringste Gefährdung liegt im normalen Betrieb vor. Wenn der Roboter „macht was er soll“, dann passiert durch eine technische Fehlfunktion in der Regel nichts, nicht zuletzt durch den Einsatz der technischen Systeme zur Maschinensicherheit.

Anders sieht es beispielsweise bei der Störungssuche, Inbetriebnahme oder bei Optimierungsversuchen aus.

Betritt der Werker den Schutzbereich, so kann es zwar sein, dass die Maschine sicher abgeschaltet ist, der Roboter aber nach der Störungsbeseitigung unerwartet wieder anläuft, wenn eines der möglichen Fehlerszenarien nicht ausreichend betrachtet worden ist. Somit kann es zu schweren bis tödlichen Unfällen kommen. Diese Szenarien ergeben sich aus der höheren Komplexität der modernen Produktionsanlagen. Es wirken teilweise so viele Elemente zusammen, dass auch bei Anwendung der vorgeschriebenen Verfahren zur Risikominderung immer wieder Unfallpotenziale übersehen werden.

Safety Talk 2015

Das besondere Gefährdungspotenzial liegt unter anderem darin, dass der Roboter in seinem Arbeitsraum fast jede beliebige Bewegung ausführen kann und die Bewegungen nicht immer vorhersehbar sind. Hinzu kommt, dass der Roboter in der Regel in einen komplexen Fertigungsablauf eingebunden ist.

Auf der anderen Seite wäre es aber kontraproduktiv, die Anlage übertrieben sicher zu machen, sie also in fast jedem Fall komplett abzuschalten. Das Einrichten der Anlage wäre nur unter erschwerten Bedingungen und mit Produktivitätseinbußen in der Produktion möglich. Die Gefahr Sicherheitsmaßnahmen „mal eben schnell“ zu umgehen, würde somit steigen.

Gleiches Sicherheitsniveau

handling: Für die klassischen Sechs-Achs-Roboter liegen Steuerungen vor, die Sicherheitsaspekte ausreichend abdecken. Sieht es bei den Portalrobotern, anders aus?

Michael Niehaus: Nein, das Niveau der Sicherheit ist gleich. Allerdings besteht bei Portalrobotern die Möglichkeit, dieses mit einfacheren Maßnahmen zu erzielen. In vielen Fällen reichen beispielsweise eine mechanische Achsbegrenzung und eine Abschaltung der gesamten Anlage bei Betreten des Arbeitsbereiches des Roboters.

Aus rechtlicher Sicht, wenn wir von der EG-Maschinenrichtlinie sprechen, gibt es keinerlei Kompromisse.

handling: Wird die Sicherheitsproblematik von den Betreibern ernst genug genommen?

Michael Niehaus: Ja. Kein Betreiber oder Hersteller von Maschinen möchte, dass ein Mensch zu Schaden kommt. Aus diesem Blickwinkel wird das Thema Sicherheit sehr ernst genommen. Es ist aber auch nicht von der Hand zu weisen, dass die Umsetzung gerade kleinere Unternehmen vor große Herausforderungen stellt. Es gilt einerseits, die Komplexität einer Gesamtmaschine zu erfassen und die richtigen Maßnahmen abzuleiten. Und andererseits, die Komplexität der gesetzlichen Anforderungen zu verstehen und zu erfüllen. Zwar gibt es umfangreiche Hilfen im Umgang mit den Normen, beispielsweise in Fachpublikationen der Berufsgenossenschaften. Häufig fällt es aber kleinen und mittleren Unternehmen schwer, die hierfür erforderlichen Ressourcen aufzubringen.

handling: Inwieweit ist Lenze denn bei der Robotersicherheit ein Kompetenzpartner für die Anwender?

Michael Niehaus: Wir bei Lenze unterstützen unsere Kunden über den gesamten Entwicklungsprozess ihrer Maschine - mit dem Ziel ihnen das Engineering möglichst leicht zu machen. Dazu gehört natürlich auch, dass wir ihnen in Sachen Funktionaler Sicherheit zur Seite stehen. Wir verfügen über ein umfassendes Anwendungs-Know-how, welches uns bei der Ausarbeitung einer optimalen Lösung hilft. Schon vor Jahren hat Lenze als eines der ersten Unternehmen Sicherheitstechnik in die Antriebe integriert und unser Portfolio bauen wir stetig aus. Über die Produkte hinaus können unsere Experten Beratungsdienstleitungen zur optimalen Konzeption der Maschinensicherheit anbieten, bis hin zur Übernahme kompletter Automatisierungsprojekte.

Mehr Aspekte bei kollaborierenden Robotern

handling: Kollaborierende Roboter sind das Thema der Stunde. Da sind die Sicherheitsvorschriften verständlicherweise besonders streng. Kann der Safety Talk hier zusätzliches Wissen vermitteln?

Michael Niehaus: Die Anforderungen sind aus Sicht der Funktionalen Sicherheit nicht strenger oder höher als bei anderen „normalen“ Robotern, sie berücksichtigen nur mehr Aspekte, denn in einem kollaborierenden Betrieb kommt der Roboter in Kontakt mit dem Werker. Hier gibt es, nach umfangreicher Forschungsaktivität der Berufsgenossenschaft, jetzt ein aktuelles Informationsblatt (FB-HM-80 Kollaborierende Robotersysteme), welches Vorgaben für die sogenannten biomechanischen Grenzwerte, sprich max. Druck und Kraft, die auf die einzelnen Körperteile ausgeübt werden dürfen, enthält. Dies fließt auch in die technische Spezifikation ISO TS 15066 mit ein. Und sicherlich wird das Thema auf einem der nächsten Safety Talks diskutiert.

handling: Mit welchen Erkenntnissen werden die Teilnehmer die Veranstaltung verlassen? Gibt es einen praktischen Nutzwert, der unmittelbar umzusetzen ist?

Michael Niehaus: Ganz klar gibt es einen praktischen Nutzen, denn wo kann man sonst schon seine konkreten Fragen direkt von Experten beantwortet bekommen. In jedem Fall kennen die Teilnehmer im Anschluss an die Veranstaltung die aktuellen Themen und wissen was in Zukunft an neuen Anforderungen auf sie zukommen wird. bw

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