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Versandapotheke automatisiert den WareneingangPillen im Schnelldurchgang

Um die bestellten Waren auch zügig ausliefern zu können, hat Aponeo in einem Pilotprojekt mit SSI Schäfer einen Batch Pick ‘n Scan Sorter installiert.

Versandapotheke automatisiert den Wareneingang: Pillen im Schnelldurchgang

Nicht nur Kleidung, Elektronik, Spielzeug oder Lebensmittel werden über das Internet bestellt, sondern auch Arzneimittel und Medizinprodukte. Der Berliner Apotheker Konstantin Primbas hat diesen Trend früh erkannt und gründete 2005 nahe seiner Stammapotheke in Berlin-Lichtenberg die Versandapotheke Aponeo. Von hier aus werden Kunden in Deutschland mit rezeptpflichtigen und nicht-rezeptpflichtigen Medikamenten, Kosmetika, Nahrungsergänzungsmitteln, Kontaktlinsen und Wellness-Produkten beliefert – bei rund 140.000 Artikeln eine herausfordernde Logistikaufgabe. 2013 erreichte das Unternehmen einen Nettoumsatz von 35 Millionen Euro – ein Plus von sechs Prozent gegenüber dem Vorjahr. Neben einem normalen und einem Express-Service bietet Aponeo innerhalb Berlins auf Wunsch sogar eine taggleiche Auslieferung der bestellten Produkte an. Das erfordert eine ausgeklügelte Logistik – zumal der Versandapotheke für die Abwicklung der bis zu 4.000 Bestellungen an Spitzentagen mit rund 31.000 Positionen nur rund 600 Quadratmeter Logistikfläche zur Verfügung stehen. Diese ist in eine Wareneingangs- und Sortierzone, einem kleinen Lager, sechs Kommissionierzonen mit je 500 Auftragsplätzen, Qualitätskontrolle und Versand aufgeteilt.

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Der Wareneigang war das Nadelöhr

Jede Kundenbestellung löst bei Aponeo – sofern das Produkt nicht im eigenen Lager vorhanden ist – eine Bestellung beim jeweiligen Lieferanten aus. Die vier Pharmagroßhändler sammeln die Bestellungen und liefern die Waren innerhalb von wenigen Stunden in Batches an. Im Logistikzentrum der Versandapotheke werden die Batch-Behälter mit den verschiedenen Produkten entleert, erfasst und sortiert und dann in einer zweiten Stufe direkt den Kundenaufträgen zugeordnet. Früher wurden alle Artikel noch manuell gescannt, sortiert und zu den Kommissionierzonen transportiert – mit entsprechend hohem Zeit- und Personalaufwand. Doch mit dem anhaltenden Auftrags- und Umsatzwachstum stieß die Apottheke an seine Kapazitätsgrenzen und suchte nach einer Lösung den Wareneingangsprozess zu beschleunigen, um so auf der gleichen Fläche mehr Aufträge abwickeln zu können. Das Berliner Unternehmern wandte sich an SSI Schäfer, um ein Konzept zur automatisierten Überprüfung und Sortierung im Wareneingang zu entwickeln. Herkömmliche horizontale Sorterlösungen kamen aufgrund der Platzverhältnisse nicht in Frage. Und auch die Variantenvielfalt der Verpackungen und Einzelgebinde von kleinen Fläschchen, Kartons, Tuben und Tiegeln, Blisterverpackungen oder Tüten mit Gewichten von wenigen Gramm bis maximal ein Kilogramm stellten die Intralogistikspezialisten von SSI Schäfer vor knifflige Aufgaben.

Sorterarchitektur ähnelt einer Achterbahn

In Frage kam die Implementierung des Batch Pick ‘n Scan Sorters. „Insbesondere die Auswahl des richtigen Sorters war anspruchsvoll, da ein herkömmlicher Sorter mit mindestens drei bis vier Meter Breite in der Kurve hier keinen Platz gefunden hätte. Zudem konnten manche Systeme auch mit den zum Teil sehr kleinen Produkten nicht umgehen. Daher mussten wir eine neue Lösung entwickeln, bei der die leeren Sorterschalen nach oben wegfahren. So sind wir zu einer Sorterkette gekommen, an der im Abstand von 40 Zentimeter aufklappbare Gondeln befestigt sind, die die Artikel einzeln zu ihren Zielstellen bringen und dann kopfüber und dadurch sehr platzsparend wieder zur nächsten Artikelaufnahme fahren“, erklärt SSI Schäfer-Projektleiter Markus Jammernegg die ungewöhnliche Sorterarchitektur, die an eine Achterbahn erinnert. Realisierungspartner im Projekt waren die PatP Picking Systems aus Nürnberg und Denipro aus der Schweiz.

SSI Schäfer hat die Technik speziell auf unsere Problemfelder angepasst und so eine Lösung entwickelt, die unsere Anforderungen erfüllt“, resümiert Patrick Luig, Technischer Leiter bei Aponeo, Berlin. Und Jammernegg ergänzt: „Die gesamte Entwicklung und Auslegung der Anlage war platzgetrieben. Unser Kunde hatte zudem die Vorgabe von mindestens zehn Zielstellen. Schließlich konnten wir sogar zwölf unterbringen.“ Dabei nimmt die gesamte Anlage nur eine Grundfläche von rund 5,5 mal 12,5 Metern ein.

In der Gondel zum Ziel

Heute entleert ein Mitarbeiter im Wareneingang die vom Pharmagroßhandel angelieferten Batch-Behälter und legt jeden Artikel einzeln auf ein V-förmiges Förderband, das mit zehn Grad angewinkelt ist. Die Geschwindigkeit des Förderbands ermöglicht die Produktvereinzelung, um die Artikel anschließend im Scantunnel – der Schäfer Scan Machine – von allen Seiten lesen und dokumentieren zu können. Mit der ausgelesenen Information wird jeder Artikel einer Zielstelle zugeordnet und fährt über eine Weiche zum Kammtisch. Von dort wird er von der nächstmöglichen Gondel mit Hilfe eines angebrachten Kamms aufgenommen. Ist die Gondel über der entsprechenden Zielstelle angekommen, öffnet sich eine Klappe, und der Artikel gleitet über eine Rutsche in den Zielbehälter. Ist er voll, stoppt die Anlage automatisch, gibt ein akustisches Signal und wartet, bis ein Mitarbeiter den angezeigten vollen Zielbehälter abgezogen und gegen einen leeren ausgetauscht hat. Der Sorter kann Artikel mit einer Leistung von 4.500 Stück/Stunde sortieren; das entspricht einer Taktzeit von 0,8 Sekunden für ein Produkt.

bw

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