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Industrie 4.0 - Der Kundennutzen bleibt im Vordergrund

Magnetlösung von SchmalzDer Greifer packt schwer und heiß

Schmalz Magnetgreifer

Die neue Magnetgreifer-Baureihe SGM-HP/-HT von Schmalz wurde speziell für die Handhabung von Lochblechen, gelaserten Teilen, Blechen mit Bohrungen und Ausschnitten sowie anderen ferromagnetischen Werkstücken entwickelt.

 

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Industrie 4.0Der Kundennutzen bleibt im Vordergrund

Industrie 4.0: Mit vorhandenen Technologien neuen Nutzen schaffen. Seit 30 Jahren stellt Schnaithmann Maschinenbau Transfer- und Montageanlagen für Automations-, Montage-, Materialfluss- und Handhabungsaufgaben her.

Karl Schnaithmann

In einem Gespräch mit handling-Chefredakteurin Petra Born über das Thema Industrie 4.0 äußern sich Karl Schnaithmann, Geschäftsführer und Unternehmensgründer, und sein Chefentwickler Volker Sieber pragmatisch.

Herr Schnaithmann, wie stehen Sie zum Trendthema Industrie 4.0?
Karl Schnaithmann: Industrie 4.0 bedeutet für uns heute konkret, mit vorhandenen Technologien neuen Nutzen zu schaffen. Was jetzt in aller Munde ist, da reden wir schon lange davon.

Herr Sieber, was sind Ihre Erwartungen an Industrie 4.0?
Volker Sieber: Das Problem an einem Hype wie diesem sind die überzogenen Erwartungen. Besonders problematisch, weil diese Erwartungen an den Mittelstand gestellt werden, der bei 4.0 gleich an IT, Vernetzung, Datenaustausch, Know-how-Preisgabe und an große Investitionsbedarfe denkt. Zumal Konzerne ihre Marktstellung im Rahmen der von der Politik propagierten sogenannten vierten industriellen Revolution auszubauen gedenken und zum Beispiel Schnittstellen- oder System-Standardisierungen einfordern, die vor allem den eigenen Geschäften und der zunehmenden Marktbeherrschung dienlich sind.

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Was empfehlen Sie dem Mittelstand konkret?
Sieber: Unternehmerkollegen aus dem Mittelstand empfehle ich, nicht endlos auf Standards, Richtlinien, Empfehlungen der Politik und der Großen in der Wirtschaft zu warten. Das passiert sowieso parallel. Lieber jetzt schon selbst mit vorhandenen Technologien probieren. Schritt für Schritt. Auf IT-Slang verzichten, der verwirrt nur. Den Kundennutzen, nicht Technologien und Fachbegriffe in den Vordergrund stellen, denn im Endeffekt geht es bei Industrie 4.0 doch auch nur um Zeitgewinn, Qualitätssteigerung und Kostensenkung, also um die Effizienzverbesserung. Alles andere wäre ja betriebswirtschaftlicher Unsinn.

Sind übergeordnete Standards sinnvoll?
Schnaithmann: Wir haben die Kompetenz, unterschiedliche Systeme miteinander zu verbinden und zu koppeln. Denn im Moment will noch jeder sein eigenes Anlagensystem, seine eigenen Datenmanagement-Standards durchsetzen, was ich verstehe.

Sieber: Das kann im Einzelfall sehr aufwendig sein, aber kein Problem, wir haben die Integrationskompetenz. Auf lange Sicht wären übergeordnete Standards aber volkswirtschaftlich sinnvoller, weil mit weniger Kosten verbunden.

Wo bleibt der Mensch bei Industrie 4.0?
Schnaithmann: Trotz zunehmender Automatisierung und Digitalisierung sehen wir den Menschen weiter im Mittelpunkt. Blind sich auf irgendein System zu verlassen, das wäre tödlich. Der Mensch muss jederzeit steuernd eingreifen können.

Werden durch Industrie 4.0 Arbeitsplätze abgebaut?
Schnaithmann: Einen Arbeitsplatzabbau allein durch Industrie 4.0 sehen wir nicht kommen. Arbeitsplätze für Ungelernte gibt es jetzt schon immer weniger an Produktionsstätten, auch ohne Industrie 4.0. Es wird stattdessen künftig aber immer mehr qualifizierte Fachkräfte geben müssen, die die Systeme bedienen und füttern. Die Industriefertigung wird IT-lastiger werden.

Ist Industrie 4.0 bei Kundengesprächen ein Thema?
Schnaithmann: Mittlerweile ist Industrie 4.0 eigentlich bei fast jedem Kundengespräch ein Thema. Jeder will derzeit seine Fertigungsprozesse innovativ überdenken, und wir helfen den Kunden dabei mit unserem langjährigen Know-how, entwickeln aber auch immer wieder Neues, entsprechend den jeweiligen Problemstellungen und Erfordernissen.

Sieber: Dabei kommen uns informelle Netzwerke mit Firmen wie Festo in Esslingen, Kuka in Augsburg oder Bosch in Stuttgart zugute. Mit Festo beispielsweise probieren und forschen wir in Sachen Energieeffizienz. Dabei geht es zum Beispiel bei 3.000 pneumatischen Aktoren einer Produktionslinie um die Frage, welcher davon undicht ist und deshalb Energie vergeudet. Ziel ist, dass die Bauteile selber Meldung über ihren Zustand geben, dann muss der Mensch nicht erst nach dem Fehler, der undichten Stelle suchen.

Inwieweit ist bei Schnaithmann Industrie 4.0 schon Alltag?
Volker Sieber: Maschinen kommunizieren bereits mit Maschinen, Fehler und Toleranzabweichungen werden in Echtzeit korrigiert. Bei Audi in Ingolstadt oder Daimler in Untertürkheim zum Beispiel können sich unsere Mitarbeiter übers Internet und Softwareplattformen zu Fernwartungszwecken auf Fertigungsanlagen „draufschalten“, falls gewünscht. Das ist alles schon Industrie 4.0, wird bei uns aber nicht demonstrativ so genannt, weil es für einen Maschinen- und Anlagenbauer wie Schnaithmann bereits seit langem Geschäftsalltag ist. Außerdem: Unter Industrie 4.0 sollte man doch eigentlich viel mehr verstehen.

Sie meinen die komplette Veränderung der Produktion?
Sieber: Eine Aufgabe wird die Schaffung modulfähiger Anlagen sein, in dem Sinne, dass Anlagenmodule und Bauteile problemlos angesteuert und verbunden werden können. Das Ziel hier: Module integrieren sich selbst in eine Fertigungslinie, ohne groß neue Einstellungen vornehmen zu müssen. Aber nicht nur in der Industriefertigung wird sich noch einiges tun. Zum Beispiel haben Kuka, Bosch und weitere Hersteller Roboterarme entwickelt, die nicht mehr vom Menschen getrennt in Käfigen agieren müssen, sondern aufgrund einer feinen Sensorik direkt, ohne Verletzungsgefahr, mit dem Menschen interagieren können. Auch in der Arbeitswelt wird sich etwas ändern. Borg Warner in Ludwigsburg zum Beispiel hat einen Schicht-Doodle eingeführt, eine Art App, auf der die Mitarbeiter aktiv mitwirken bei der Arbeitseinteilung. Die Zukunft, und das ist dann wirklich Industrie 4.0, könnte doch so aussehen: Es gibt immer weniger feste Arbeitszeiten, produziert wird vor allem dann, wenn das Wetter gut ist und die Solarkollektoren auf dem Fabrikdach Energie für die Maschinen liefern oder wenn es die Auftragslage erfordert.

Wie weit ist aus Ihrer Sicht das Konzept Industrie 4.0 schon umgesetzt?
Sieber: Im Moment besteht Industrie 4.0 vor allem noch aus Insellösungen. Erst wenn alles verbunden ist, wenn Wetter-, Verkehrs-, Maschinendaten und so weiter vernetzt genutzt werden, erst dann kann man mit Fug und Recht von Industrie 4.0 sprechen oder besser noch vom oft beschworenen Internet der Dinge und Dienste.

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