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Zur Sache, 01-02-2012
Firma zu diesem Beitrag: agiplan GmbH
Fabrikationsplanung

Die sieben Rollen des Planers

Dr. Jürgen Bischoff, Agiplan: Der Fabrikplaner plädiert für Leidenscha...
Plädoyer für Fabrikplanung mit Leidenschaft
Fabrikplaner sind von der radikalen Neuplanung auf der grünen Wiese bis zur Umgestaltung und Anpassung einzelner Arbeitsplätze verantwortlich für die Veränderung von physischen und organisatorischen Strukturen. Jeder Fabrikplaner ist damit Experte für Veränderung und beherrscht das Wechselspiel zwischen der Realisierung von Neuem und dem Erhalt von Bewährtem. Welche Rollen muss ein Fabrikplaner dafür einnehmen? Ein Essay von Dr. Jürgen Bischoff, Partner und Mitglied der Geschäftsleitung bei Agiplan.

Fabrikplanung ist der systematische, zielorientierte, in aufeinander aufbauende Phasen strukturierte und unter Zuhilfenahme von Methoden und Werkzeugen durchgeführte Prozess zur Planung einer Fabrik von der ersten Idee bis zum Hochlauf der Produktion. Die Fabrikplanung kann ebenso die später folgende Anpassung im laufenden Betrieb beinhalten.“ Diese VDI-Definition liest sich im ersten Augenblick recht nüchtern. Ist Fabrikplanung deshalb eine trockene Disziplin? Nein, ganz im Gegenteil: Sie umfasst heute einen faszinierenden Spannungsbogen an unterschiedlichen Aufgabenstellungen und Anforderungen. Der Fabrikplaner besetzt mit seinem Tätigkeitsprofil eine Schlüsselfunktion für zukunftsfähige Produktionsunternehmen. Er muss dafür jedoch bereit sein, sieben verschiedene Rollen einzunehmen.

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Rolle eins: Wertschöpfungsexperte

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Der Fabrikplaner hat zuerst einmal ein fundiertes Wissen zur Fabrik. Er kennt die Produktionsabläufe, die Maschinen und Anlagen in Fertigung und Montage, die Logistikprozesse und Materialflüsse, die Produktionsorganisation, die Produktionsplanung und -steuerung und die Gebäudetechnik. Hier macht ihm keiner etwas vor. Der Fabrikplaner bewegt sich auf Augenhöhe mit der Produktion, der Logistik, der Qualitätssicherung und der Arbeitsvorbereitung. Oft hat er sein Tätigkeitsfeld in einer dieser Abteilungen oder ist zugleich Werkleiter – sofern er kein externer Planer ist. Mit dem Fabrikplaner durch „seine“ Produktion zu gehen, ist die reinste Freude. Er kennt jede Maschine und findet ihre Position im Layout mit verbunden Augen. Der Fabrikplaner kennt jede Gitterbox und weiß, warum sie an dieser Stelle platziert ist. Als Wertschöpfungsexperte kennt er die Stärken und Schwächen der Produktion bis ins Detail.

Rolle zwei: Problemlöser

Der Fabrikplaner ist ständig auf der Suche nach realisierbaren Lösungen. Diese Aufgabe kann sehr vielschichtig sein: Mal ist es die Suche nach einem neuen Produktionsstandort im In- oder Ausland oder die Errichtung eines neuen Werks, die Integration eines neuen Produktes in die Produktion oder die Einführung einer neuen Technologie. Permanent geht es darum, die Fabrik produktiver, flexibler und termintreuer zu machen – und natürlich energieeffizient. Für die Bearbeitung dieser Anforderungen sieht sich der Fabrikplaner zugleich mit einer Fülle von Restriktionen konfrontiert, die ihn zu Höchstleistungen anspornen: Der Zeitrahmen ist befristet, das Budget limitiert, die internen und externen Einflussfaktoren sind schier unüberblickbar.

Rolle drei: Projektmanager

Als Projektmanager strukturiert der Fabrikplaner zuerst einmal das Planungsprojekt. Er stellt sich ein Team zusammen, definiert Arbeitsphasen, entwickelt Vorgehensweisen, formuliert Ziele, setzt Meilensteine und entwirft Richtlinien zur Projektdokumentation. Und nun kommt das Projekt so richtig in Schwung, denn jetzt arbeiten seine Kollegen und auch Externe an dem Projekt mit. Der Fabrikplaner muss es verstehen, die Fäden in der Hand zu halten und zu koordinieren.

Rolle vier: Methodiker

Entlang der Projektarbeit packt der Fabrikplaner immer wieder seinen Methodenkoffer aus: Von der Materialflussmatrix bis zur Roadmap für die Supply Chain, vom MTM-Katalog bis zur 3D-Simulation, vom Kanban-Planspiel bis zum Optimierungsalgorithmus ist sein Repertoire nahezu unerschöpflich. Virtuos gleitet der Fabrikplaner dabei von der Netzwerk- in die Standortebene.

Rolle fünf: Visionär

Waren die bisherigen Rollen des Fabrikplaners eher analytisch geprägt, erlaubt ihm die Rolle des Visionärs, seine Kreativität auszuleben. Im Raster von zwei, fünf oder zehn Jahren skizziert er in Zukunftsszenarien, welche Entwicklungen er bereits heute einfangen und berücksichtigen kann. Er identifiziert, wie und warum es dem Unternehmen künftig noch besser gehen kann. Dabei weiß der Fabrikplaner genau, dass seine Fabrik länger leben wird als die Produkte, die sie herstellt. Er stellt sich Fragen, auf die er postwendend antwortet: „Was hat der demographische Wandel mit meiner Fabrik zu tun? Welche Produkte werden auf die Fabrik zukommen? Wie wird die Altersstruktur der Belegschaft künftig aussehen? Was bedeutet das für die Arbeitsplätze in Fertigung und Montage?“ Oftmals projiziert der Fabrikplaner dabei nicht nur sein aktuelles Wissen in die Zukunft. Es kommt durchaus vor, dass er eine ihm schon länger aufgefallene Schwachstelle mit einem kreativen Lösungsansatz beseitigt.

Rolle sechs: Kommunikationsexperte

Fabrikplaner zu sein, ist kein einsamer Beruf. Im Fabrikplanungsprojekt spricht er nicht nur mit den direkt Beteiligten aus der Fabrik über das Vorhaben. Er wird zugleich als Oberkommunikator fungieren müssen: Unternehmer, Vorstand und Geschäftsführung wollen ständig informiert sein, dem Architekten, den Fachplanern und den ausführenden Gewerken ist ständig über die Schulter zu schauen, und mit den Anlagenlieferanten muss hart verhandelt werden. Nicht zuletzt zwingen ihn Juristen und Behörden, deren Welt zu verstehen. Andererseits muss er sein Business der Fabrikplanung den Controllern verständlich machen. Auch gegenüber Arbeitswissenschaftlern wirbt er für sein Projekt, denn der Fabrikplaner ist vom Erfolgsfaktor Mitarbeiter überzeugt und kann sich in jeden einzelnen Arbeitsplatz in der neuen Fabrik persönlich hineinversetzen.

Rolle sieben: Wächter von Wettbewerb und Wandler

Wenn die Fabrik steht und produziert, hört das Leben für den Fabrikplaner nicht auf. Also schlüpft er noch in eine weitere Rolle: die des Verantwortlichen für die Anpassung im laufenden Betrieb. Seine ständige Unruhe lässt den Fabrikplaner überprüfen, ob die Rahmenbedingungen, unter denen er geplant hat, auch so eintreffen, ob sein Fabrikkonzept im Alltag tragfähig ist, ob die ausgewählte Variante tatsächlich die von ihm prognostizierte Exzellenz entwickelt und ob sich am Ende des Tages die kalkulierten wirtschaftlichen Ergebnisse einstellen.

Fazit

Ein effizientes und wettbewerbsfähiges Produktionsunternehmen braucht einen leidenschaftlichen Fabrikplaner, auch wenn er im Hauptberuf Produktionsleiter oder Arbeitsvorbereiter oder auch ein externer Fabrikplaner ist. Dr. Jürgen Bischoff/bw

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