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Editorial, 10-2011

Liebe Leserinnen und Leser,

in der deutschen Industrie lässt sich die Angst vor einem Stromausfall in den Wintermonaten nicht völlig ausräumen. Vor allem die daraus entstehenden Folgen und Kosten sind ein gewichtiges Moment der Befürchtungen. Die Industrie verbraucht jedes zweite Kilowatt in Deutschland und ist auf Strom als Lebensader angewiesen.

Die Gefahr ist am größten, wenn es am kältesten ist und eine stabile Hochdrucklage bei Windstille einen Engpass geradezu provoziert, wenn die Solarenergie nach Sonnenuntergang als Ergänzungslieferant ausfällt. Der Januar gilt als der am ehesten wahrscheinliche Monat. Importe fallen in dieser Situation vielleicht auch aus, weil Nachbarländer wie Frankreich dann selbst in Engpässe geraten könnten. Ein an sich abgeschaltetes Großkraftwerk auf Kohlebasis in Mannheim soll nach Ansicht der Bundesnetzagentur die notwendige Sicherheit als Kaltreserve bringen, das dann Notstände vor allem in Süddeutschland ausgleicht, wo am ehesten damit gerechnet wird. Aber diese Sicherheit ist in den Augen des Industriemanagements trügerisch.

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Zwar hat die produzierende Industrie die Notwendigkeit einer energieeffizienten Herstellung längst als Herausforderung angenommen – vor allem auch, weil einzelne Bereiche sagenhafte Einsparpotenziale bergen. Bei manchen Pumpen beispielsweise ist von 70 Prozent die Rede. Aber, die Effizienzinitiative vieler Branchen greift zu dem Zeitpunkt noch nicht ausreichend, zu der die Not am ehesten auftritt. Und vor allem der Mittelstand wirkt bei der Thematik eher noch zögerlich.

Im Augenblick macht eine Initiative die Runde, die auf eine Stabilisierung der Netze durch gezielten Mehr- oder Minderverbrauch durch die Industrie setzt. Das würde bedeuten, die Produktionsmengen in den Betrieben würden gezielt den zur Verfügung stehenden Strommengen flexibel angepasst – also wird mal mehr, mal weniger hergestellt. So ließen sich etwa zehn Prozent der Strommenge abfedern, schätzen Fachleute. Eine Leistung, die acht Kernkraftwerken entspräche – also genau der Anzahl, die in Deutschland nach Fukushima stillgelegt wurde. Die Gefahr des Blackouts wäre wohl gebannt. Der Pferdefuß: Die Industrie möchte für dieses Entgegenkommen belohnt werden. Denn das Verfahren widerspricht den gegenwärtig gültigen Verträgen, die sich am Maximalverbrauch orientieren. Netzentgelte würden bei zeitweiser Minderabnahme in die Höhe schnellen, ebenso wie bei stark wechselnder Nachfrage. Das Schöne an dieser Debatte: Die Politik versteht anscheinend die Wünsche. Eine Änderung der Vertragsbedingungen ist deswegen durchaus bald denkbar. Das wäre das richtige Signal – auch in Richtung der Stilllegungsskeptiker.


Herzlichst Ihr

Bernd Waßmann

Stellvertr. Chefredakteur

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